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Ärztinnen und Ärzte gefragt wie nie
Ingrid Rebmann


Dr. Wolfgang Martin
Ärztliche Karriere als Selbstläufer?
Ärztinnen und Ärzte waren noch nie so umworben wie zurzeit. Krankenhäuser suchen dringend nach ärztlichen Mitarbeitern, sowohl auf Assistenz- wie auf Fach- bzw. Oberarztebene. Mit dem Erwerb der Facharztanerkennung steht Ärztinnen und Ärzten häufig auch gleich eine Oberarztposition offe: Eine ärztliche Karriere, sofern sie angestrebt wird, scheint fast ein Selbstläufer zu sein. Erschwernisse gibt es scheinbar höchstens dort, wo es um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf geht - wobei dies vor allem als "Problem" der jungen Ärztinnen und Ärzte in der Phase der Familiengründung und -planung wahrgenommen wird.

Zufriedenheit im Beruf
Doch auch wenn das Theme "Vereinbarkeit von Familie und Beruf" in der veröffentlichten Meinung mittlerweile (sicherlich zu Recht) ganz oben steht, so gibt es durchaus noch andere Aspekte, die bei der Berufs- und Karriereplanung berücksichtigt werden sollten. Dies zeigt sich etwa am Beispiel der zunehmenden Zahl an Oberärzten aus Abteilungen mit chronischer personeller Unterbesetzung, die klagen, sie seien letztlich nichts anderes als besser bezahlte Assistenzärzte. Ursprünglich mit viel Motivation und Engagement in einer Oberarztposition gestartet, sehen sie inzwischen keine wirkliche Perspektive mehr für die eigene berufliche und persönliche Weiterentwicklung. Die Folgen sind dann Frustration, fehlende Motivation, Burn-out-Gefühle etc.

Dabei hätte es in vielen Fällen gar nicht erst dazu kommen müssen, wenn man frühzeitig die als unbefriedigend oder belastend erlebte berufliche Situation einer kritischen Prüfung unterzogen hätte. Ein boomender Stellenmarkt und die Erweiterung der ärztlichen Tätigkeitsfelder lassen durchaus unterschiedliche berufliche Optionen zu. Ob und welche sich im Einzelfall als machbare Alternative oder neue Perspektive erweisen, wird, man dann nicht nur im rein beruflichen Zusammenhang, sondern auch im Kontest der jeweiligen Lebensplanung bedenken müssen. Hier stellen sich Fragen, wie sie auch und gerade im beruflichen Coaching regelmäßig auftauchen, nämlich: Welchen Stellenwert haben für mich Beruf und Karriere? Wie sieht mein persönliches Karrieremodell aus? Woran messe ich meine berufliche Zufriedenheit? Was bedeutet für mich Lebensqualität?

Karriere und Mobilität
Zu den angenehmen Aspekten eines boomenden Stellenmarktes gehört, dass den meisten Ärztinnen und Ärzten derzeit über weite Strecken keine größere Mobilität abverlangt wird, um eine Stelle zu finden. Das gilt bereits für die Weiterbildungsstelle und setzt sich auf Fach- und Oberarztebene fort. Man kann sich vielfach erlauben, abzuwarten, bis sich die passende nächste Stelle quasi "vor der Haustür" befindet. Auf diese Weise hat man erst einmal einen sicheren Rahmen für die eigene Lebensplanung (was Familie, Wohnsituation, Freundeskreis etc. angeht) und kann sich entsprechend einrichten.

Diese (häufig) relativ komfortable Ausgangssituation ändert sich für etliche spätestens dann, wenn die Ambitionen auf das Erreichen einer Chefarztposition gerichtet sind. Naturgemäß sind solche Stellen rarer als Oberarztpositionen, und in vielen Fällen steht deshalb plötzlich doch noch einmal das Thema Mobilität auf der Tagesordnung. Und es tauchen Fragen auf, die die Betreffenden oft schon länst hinter sich gelassen zu haben glaubten: Kann ich mir eine Wochenendbeziehung vorstellen (und wie denkt mein Partner/meine Partnerin)? Welche Fahrtzeiten kann ich mir auf Dauer zumuten? Zieht die Familie mit um (gleich oder später)? Was ist mit der jetzigen Immobilie?

Die Bedeutung dieser Fragen wird aber anfangs oft unterschätzt: Man übernimmt eine neue ärztliche Leitungsposition in einer entfernteren Region und vertraut darauf, dass sich "das Private" dann schon irgendwie fügen wird. Leider erleben wir in unserer Beratungstätigkeit aber auch Fälle, woe es sich eben nicht fügt: wo sich die Familie oder der Partner dem erhofften Umzug verweigert, wo die Belastung der langen Fahrtzeiten am Wochenende oder die soziale Isolation am neuen Wohnort unterschätzt wurde. Wie damit umgehen? Eine Kündigung in der Probezeit ist natürlich möglich, quasi als Ultima Ratio, aber sie ist meist nicht unbedingt karrierefördernd.

Die Frage, was ist mir mein berufliche Aufstieg wert, wird jeder ambitionierte Arzt / jede ambitionierte Ärztin immer wieder mal aufs Neue für sich beantworten müssen. Für solche, die einen beruflich bedingten Umzug von vornherein ausschließen, wird es dann um das Austarieren der eigenen realistischen Möglichkeiten vor Ort gehen. Im Sinne einer fundierten Planung sollte dabei aber auch danach gefragt werden, was für einen selber tatsächlich stimmig ist. Was bedeutet es, wenn z. B. ein Oberarzt, der bislang seine komplette ärztliche Tätigkeit an einer Uniklinik absolviert hat, sich nun auf eine Chefarztposition an einem Haus der Grund- und Regelversorgung bewirbt? Werden hierbei nicht vielleicht regionale Vorzüge einer beruflichen bzw. fachlichen Stimmigkeit übergeordnet? Und kann dies dann eine gute Ausgangsbasis sein?

Karriereplaung = Lebensplanung
Auch und gerade angesichts eines insgesamt sehr günstigen ärztlichen Stellenmarktes und einer generellen Zunahme an ärztlichen Tätigkeitsfeldern ist es in der Phase der beruflichen Entwicklung und Karriere angezeigt und sinnvoll, die eigene berufliche Planung und Entscheidung sowohl unter fachlichen Aspekten zu betrachten wie auch im Lichte der Lebensplanung als Ganzes zu sehen. Gerade aufgrund unserer Beratungsgespräche mit Ärztinnen und Ärzten, bei denen es nicht "so rund" lief, können wir nur dazu ermuntern, diesen Zusammenhang nicht zu unterschätzen und die sich bietenden Optionen auf ihre jeweilige individuelle Stimmigkeit zu überprüfen. Wichtig ist dabei natürlich zuallererst der Austausch mit der Familie, Freunden und Kollegen; darüber hinaus kann es aber auch durchaus sinnvoll sein, ein professionelles Coaching zu nutzen.

Die Arbeit mit einem erfahrenen Coach kann dazu beitragen, mögliche Fallstricke der beruflichen Planung frühzeitig zu erkennen, neue Perspektiven zu gewinnen und gute, tragfähige persönliche Strategien zu entwickeln.