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Facharztindex

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Arbeitsmarkt Ärzte

Ingrid Rebmann



Dr. Wolfgang Martin

Ärztemangel:
einzelne Fachgebiete besonders unter Druck

In immer mehr Bereichen des Gesundheitswesens entstehen Versorgungsengpässe, die bislang in der Öffentlichkeit noch zu wenig Aufmerksamkeit finden.

In welchen Fachgebieten die Personalsituation besonders angespannt ist, wird ganz entscheidend durch das Verhältnis von Angebot und Nachfrage bestimmt. Diesen Aspekt beleuchtet der sog. Facharztindex, den wir von der Personalberatung mainmedico jährlich erstellen. Dafür setzen wir für jedes Fachgebiet die Zahl der im Deutschen Ärzteblatt veröffentlichten Stellenanzeigen eines Jahres ins Verhältnis zur Zahl der jeweils angestellten Fachärztinnen und Fachärzte (ohne Praxen). Die Basis der Auswertung für das Jahr 2018 bildeten insgesamt 3.441 Stellenausschreibungen.

Facharztindex:Indikator für Bewerbermangel

Jedes Fachgebiet erhält so einen spezifischen Indexwert: Dieser gibt an, wie viele Ärztinnen und Ärzte rein rechnerisch auf eine Stellenausschreibung entfallen. Je niedriger der Indexwert, desto geringer ist für Fachärztinnen und Fachärzte die Zahl potenzieller Mitbewerber bzw. desto weniger Bewerbungen werden aller Voraussicht nach auf eine Stellenausschreibung eingehen. Die zehn Fachgebiete mit den niedrigsten Indexwerten sind in der Grafik aufgelistet (Durchschnittswert aller Fachgebiete: 33,8).

Dass das Fachgebiet Hygiene und Umweltmedizin erneut den Spitzenplatz belegt, ist nicht verwunderlich, da sich die Nachwuchssituation in den vergangenen Jahren nicht grundlegend geändert hat. Bleiben hier die Facharztanerkennungen weiter auf so niedrigem Niveau (2017: 11),  dürfte sich die Lage in der Zukunft eher noch verschärfen, da 72% der stationär tätigen Ärztinnen und Ärzte in diesem Fachgebiet bereits 50 Jahre und älter sind.

 
Gefährdet: Psychiatrische Versorgung

Wie bereits durchgehend seit 2010 sind die drei Fachgebiete aus dem Spektrum Psychiatrie/ Psychosomatik unter den Top Ten vertreten. Hier ist der Fachkräftemangel also schon länger ein beherrschendes Thema. So gaben 63% der unlängst vom Deutschen Krankenhaus-Institut befragten Krankenhäuser an, offene Stellen in der Psychiatrie oder der Kinder- und Jugendpsychiatrie nicht besetzen zu können. In der Psychosomatischen Medizin waren es immerhin noch 33%.

Gleichzeitig steigt der Bedarf an qualifizierter psychiatrischer Versorgung: So erkrankt laut Deutscher Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) innerhalb eines Jahres bundesweit jeder vierte Mensch an einer psychischen Störung. Für die kommenden Jahre sei ein weiterer Anstieg des Hilfebedarfs zu erwarten, womit auch die Anforderungen an das Versorgungssystem steigen würden.

In dieser Situation ist es natürlich fatal, wenn der dafür benötigte ärztliche Nachwuchs fehlt. So hat es sich die Fachgesellschaft auch zur Aufgabe gemacht, die vielfach bestehenden Vorurteile und Klischees, die sich um den Beruf des Psychiaters ranken, abzubauen, um mehr junge Menschen für das Fach Psychiatrie und Psychotherapie zu begeistern.

Zu wenig beachtet: Geriatrie

Unbestritten stellt die Versorgung einer wachsenden Zahl an älteren Patienten mit Mehrfacherkrankungen das Gesundheitssystem vor große Herausforderungen. Dementsprechend hoch ist auch die Nachfrage nach qualifizierten Geriatern. So stammt inzwischen jede dritte Stellenausschreibung für Internisten aus der geriatrischen Abteilung eines Krankenhauses.

Nun gibt es zwar eine Facharztbezeichnung „Innere Medizin und Geriatrie“, diese kann aber nur in drei Bundesländern erworben, wodurch bisher nur 77 stationär tätige Fachärztinnen und Fachärzte bei der Bundesärztekammer registriert sind. Der weitaus größte Teil der in der Geriatrie beschäftigten Internistinnen und Internisten verfügt stattdessen über eine Zusatzweiterbildung in Geriatrie; laut Krankenhaus-Statistik des Statistischen Bundesamtes sind dies insgesamt 1.146

Die beiden Zahlen wurden nun von uns addiert, um auch für die Geriatrie, die in der Nachfrage der Krankenhäuser immer weiter an Bedeutung gewinnt, einen repräsentativen Index ermitteln zu können. So kommt der Wert von 11,8 zustande, der verdeutlicht, dass in der Geriatrie die Bewerberdecke ähnlich dünn ist wie in der Hygiene und Umweltmedizin oder in der Psychosomatischen Medizin.

Am Limit: Öffentlicher Gesundheitsdienst

Nochmals nach vorne im Facharztindex rückte die Gebietsbezeichnung Öffentliches Gesundheitswesen: von Platz 8 im Vorjahr auf jetzt Platz 4. Der Öffentliche Gesundheitsdienst hat schon seit Jahren mit Personalproblemen zu kämpfen. In Konkurrenz zu den Krankenhäusern, die deutlich höhere Gehälter zahlen, ist es immer schwieriger geworden, Fachärzte zu gewinnen. So fordert der Berufsverband der Ärztinnen und Ärzte im Öffentlichen Gesundheitsdienst folgerichtig, seine Mitglieder nach den Tarifabschlüssen des Marburger Bundes für Klinikärzte zu bezahlen. Anders sei ein umfassender Gesundheits-schutz der Bevölkerung zukünftig nicht mehr zu gewährleisten.

Knappe Ressource: Spezialisten in der Inneren Medizin

Auch in einigen Fachgebieten der Inneren Medizin ist die Bewerberdecke vergleichsweise dünn: Hier bereitet es besonders Probleme, Oberarztpositionen zu besetzen. Aber gerade diese sind für die Krankenhäuser von entscheidender Bedeutung, wenn es um die weitere Ausdifferenzierung des medizinischen Leistungsspektrums geht. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass neben der Gastroenterologie und der Pneumologie nun auch die Kardiologie im vorderen Feld des Facharztindex auftacht, ein Fachgebiet also, das in der Vergangenheit in Nachwuchshinsicht eher verwöhnt war. Dies ist ein deutliches Indiz dafür, dass die Ausbildung des ärztlichen Nachwuchses mit der anhaltenden Spezialisierungswelle in den Krankenhäusern nicht Schritt hält.

Die Zeit drängt

Es ist nicht davon auszugehen, dass in den Bereichen, für die der Facharztindex eine vergleichsweise dünne Bewerberdecke ausweist, die Nachfrage künftig zurückgehen wird. Im Gegenteil: Nicht zuletzt aufgrund des demografischen Wandels wird man hier eher noch mehr Fachärztinnen und Fachärzte benötigen. Wo aber sollen diese herkommen? Das Werben der einzelnen Fachgesellschaften und Berufsverbände für ihr jeweiliges Fachgebiet stößt dann an Grenzen, wenn es generell zu wenig Nachwuchs gibt. Ohne die Schaffung zusätzlicher Studienplätze wird sich dies aber kaum ändern lassen.

Zahl der angestellten Fachärztinnen und Fachärzte (Quelle: Bundeärztekammer; zzgl. Statistisches Bundesamt*; Stand: 31.12.2017) in Relation zur Zahl der im Deutschen Ärzteblatt ausgeschriebenen Facharztpositionen (Quelle: Auswertung mainmedico 2018).